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    Flug: 2 Stunden

Lissabon – leise rieselt der Putz oder Liebe auf den zweiten Blick.

Unsere Kundin Marianne Gabel berichtet von ihrer Reise nach Lissabon:

Bedeutenden Städten gewährt man gern schwärmerisches Attribut: Paris – die Stadt der Liebe, Dresden – Elbflorenz, Havanna – Perle der Karibik. Für Lissabon konnte ich keinen Zusatz finden. Vielleicht …die vergangene Schönheit? Unser allererster Eindruck:

Leise rieselt der Putz.

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Für die marode Bausubstanz der einst wunderschönen und heute zum Teil akut vom Einsturz bedrohten Prachtbauten musste es eine Erklärung geben. Wir begannen zu fragen und erfuhren Interessantes:
Um die Lebenshaltungskosten der Portugiesen zu begrenzen, verfügte Diktator Salazar 1947 einen Mietpreis-Stopp (der 40 Jahre in Kraft blieb!) für die Großstädte Lissabon und Porto. Dadurch sanken die realen Mieten aufgrund der hohen Inflation bis Ende der 80er zum Teil auf 5,- Euro im Monat. Nicht pro Quadratmeter, sondern für eine Wohnung. Wasser und Strom kosteten inzwischen mehr. Nach Beendigung des Mietpreis–Stopps mussten sich allerdings die Erhöhungen der Mieten bis 2006 an der Inflationsrate orientieren. Welcher Eigentümer konnte von diesen Einnahmen renovieren oder sanieren?

Der andere Teil der Erklärung:
Bis zur Bankenkrise 2008 wurden auch in Portugal sehr günstige Kredite ohne Sicherheiten an Bürger vergeben, die sich sanierungsbedürftigen Wohnraum kauften. Wer damals hoffte sanieren zu können, ist heute bemüht, wenigstens die Raten abzuzahlen. An Renovierung oder gar Sanierung ist zur Zeit nicht zu denken.

Ein Hauch Geschichte:
Im Jahr 1755 wurde Lissabon von einem starken Erdbeben mit anschließendem Tsunami zu zwei Dritteln zerstört. 1833 folgte die Cholera, die das Volk ebenfalls sehr beutelte.
Nach Beendigung des letzten Kolonialkrieges der Portugiesen in Afrika 1975 (!) kamen aus Angola und Mosambik viele Schwarzafrikaner mit geringer Ausbildung, die sich im Großraum Lissabon niederließen. Portugal, eines der Gründerländer der damaligen EG  und seit 1976 erst eine Demokratie, war bereits zu diesem Zeitpunkt eines der ärmsten Länder Gemeinschaft. Mit Beginn der Finanzkrise hat sich der Lebensstandard nochmals verschlechtert. Die im Jahr 2000 verabschiedeten EU Strategie für Portugal besagte, dass Portugal bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden sollte! Welch vollmundige Ankündigung – wir sahen oder spürten davon wenig. Im Gegenteil: Die ehemals starke Korkindustrie? Vergangen (und Weinflaschen haben z.B. immer seltener einen Korken aus echtem Kork). Die Schuhindustrie, die Produktion von Garderobe? Ausgelagert in noch günstiger produzierende Länder. Woher also soll Prosperität denn kommen?

Wer den „Havanna-chic“ mag, wird begeistert sein. Wir waren bedrückt, denn das Bild von Menschen und Stadt spiegelt die finanzielle Situation Portugals wider. Fast 20% der Erwachsenen können weder Lesen noch Schreiben (Daten aus 2002), was in unseren Ohren unglaublich klang. Die Arbeitslosenquote Jugendlicher bis 25 Jahre liegt bei derzeit 42%.

Dennoch – jeden Tag, den wir durch Lissabon liefen, fanden wir die Stadt mit all ihren Kontrasten spannender. Schauen Sie genau hin, kommen Sie mit den Menschen ins Gespräch. Und seien Sie dabei geduldig, Englisch wird meist nur von jungen Menschen gesprochen. Auf unsere Frage, ob 37 Grad in Lissabon eine eher normale Temperatur sind,  bekamen wir auf Englisch zur Antwort: geradeaus und dann links.

Taxifahrten sind ausgesprochen günstig, Tuk Tuk fahren im lauen Wind (sehr angenehm, wir hatten an dem Tag 40 Grad) kostete leider den doppelten Preis einer Taxifahrt, und so lustig das auch außerhalb von Bangkok sein mag,  fanden wir es keck übertrieben.

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An dieser Stelle muss ich die Handynummer eines der reizendsten Taxifahrer, den ich je kennen gelernt habe, schreiben: Pedro Baptista. Pedro spricht hervorragend englisch, sein Taxi ist nagelneu und sehr sauber (was man von anderen Taxis nicht unbedingt sagen kann). Er kann viel über Lissabon und Portugal erzählen. Nur auf Wunsch natürlich, wenn man Interesse an der Stadt, dem Land und seinen Problemen hat. Rufen Sie ihn an, falls Sie ein Taxi am Flughafen wünschen, die Fahrt bis zur Stadtmitte kostet ca. 13,- Euro.  Pedro Baptista: pbaptista29@nullgmail.com
Handy: 92-66 66 940  von Deutschland 00351 – 92 – 66 66 940

Im Hotel empfahl man uns 4 Touren mit dem Yellow Bus, als Paket  zum Sonderpreis. Die haben wir  gemacht, pro Tag zwei Touren  sind sehr gut zu schaffen, man bekommt einen guten Überblick. Die Gegenden, die uns interessierten, haben  wir uns dann ganz in Ruhe noch einmal erlaufen.

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Sehenswert der (Friedhof) Cemiterio dos Prazeres. Die Gräber sind wie kleine Häuser in einer Stadt angeordnet, etwa 80 Sträßchen und Alleen durchziehen schachbrettartig den Friedhof. In fast allen Mausoleen kann man durch die Fenster die Särge sehen, rechts und links gestapelt, sehr gut erhalten. (Wenn auch die meisten Fenster schon lange nicht mehr geputzt wurden). Wir haben genauer hingeschaut – einige der neueren Mausoleen sind sogar mit Marmor auskleidet und bis dreistöckig unter die Erde gebaut. Ein Dozent der Militärakademie ließ sich sogar stehend beerdigen, wie es sich für einen Soldaten gebührt (nein, man sieht ihn nicht stehen…)

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Unbedingt gehört ein Blick vom Castelo de Sao Jorge über Lissabon dazu. Das Castelo wurde viele Jahrhunderte als Königsburg genutzt, und nach dem schweren Erdbeben von 1755 wieder saniert.

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Wem der Aufstieg zum Castelo zu anstrengend erscheint, nimmt ein Taxi und läuft dann bequem durch die Altstadt Alfama wieder herunter. Festeres Schuhwerk ist generell in Lissabon angeraten.

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Auf dem Rückweg durch die Alfama offenbarte sich Lissabon von seiner charmantesten Seite.

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Christo Rei (erbaut zum Dank, weil Portugal vor dem zweiten Weltkriege verschont blieb) kann man vom des Ufer des Tejo wunderbar sehen. Direkt vor ihm oder zu seinen Füßen zu stehen ist imposant. Ich bin ich keine Freundin dieser Form der Christus Verehrung und doch ist es bewegend unter diesen ausgebreiteten Armen zu stehen.

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Eine unserer Touren führte in das zur Expo 1998 gebaute Stadtviertel Parque das Nacoes. Ausgedehnte Grünanlagen, wie in einem Stadtführer beschrieben, haben wir nicht gesehen, wohl aber aufregende (?) moderne Architektur. Hier befindet sich auch eines der größten Meeresaquarien Europas und die Überfahrt über die zweite Brücke (Ponte Vasco da Gama) über den Tejo. Mit 17 km Länge eine der längsten der Welt.

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Das Viertel wirkt längst nicht so quirlig wie in einem Stadtführer beschrieben, eher wie ausgestorben. Erinnerte mich ein bisschen an die Docklands in London, die ebenfalls viele Jahre gebraucht haben, bis sie mit Leben erfüllt waren.

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Auf einer Runde durch die Innenstadt begegneten uns mehr als genug dieser Häuser.

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Sanierte Häuser können nicht fröhlich machen. Sie stehen oft leer, weil die Nutzer die Raten an die Banken nicht mehr zahlen konnten. Sind sie bewohnt, wurden sie häufig  von den wenigen reichen Portugiesen oder von Ausländern gekauft. Die neuen Mieten kann sich fast niemand hier leisten.

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Dieses von der Stadt zur Sanierung vorgesehene Haus an der Avenida da Liberdale durfte von jungen portugiesischen Graffitikünstlern bis zur Kernsanierung gestaltet werden. Wann saniert wird ? Niemand weiß es.

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Mittlerweile ist Lissabon international als Zentrum für Graffiti und Street Art bekannt. Eine „Galerie des illegalen Graffiti“ kann man während der Bahnfahrt in die Umgebung betrachten. Graffiti ist zwar nicht erlaubt, besonders interessante Arbeiten bleiben dennoch erhalten. Vermutlich weil auch das Geld fehlt sie zu entfernen.

Wir haben weder Kirchen und noch Museen besucht, deshalb kann hier davon nicht berichtet werden. Mit den Eindrücken der Vielfältigkeit Lissabons, mit den Pro und Kontras, waren wir so beschäftigt, dass uns dazu keine Zeit blieb. Eher haben wir die Dinge die wir sahen und hörten drei-viermal betrachtet. Zum Glück konnten wir sehr viele Fragen, die uns beschäftigten, an das ausgesprochen auskunftsfreudige Frontdesk des Hotel Altis Avenida (empfohlen natürlich von der Wold of TUI) stellen. Das Hotel liegt zentral, die direkte Umgebung mit dem Charme von Havanna übersieht man da gern.

Leider haben wir uns überreden lassen, das Shopping Center Colombo, etwas außerhalb der Stadt, anzusehen. Es ist das größte Portugals mit 430 Geschäften. Lassen Sie es sein, die Größe macht es nicht und die Geschäfte kennen wir alle mit dem gleichen Angebot aus Deutschland.

Und ja – wirklich zu empfehlen sind diese kleinen runden Süßigkeiten, Pastéis de Belém.
Am besten im Cafe Nicola oder Cafe Brasilia, beide aus dem 19. Jahrhundert, genießen.

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Je länger wir durch die Stadt liefen, je mehr wir erfuhren über ihre Einwohner, Sorgen und Probleme, desto interessanter fanden wir Lissabon. Eine Stadt, die mal nicht ihre Schönheiten sofort präsentiert, die uns nicht ihre Prosperität wedelnd vor die Nase hält.

Und ab und an haben wir gedacht ob der Fado, die traditionelle Musik Lissabons mit seiner wehmütigen Grundstimmung, nicht heute noch erfunden werden könnte.

Die Stadt hat uns zum Fragen, Erfühlen und hinter ihre Kulissen Schauen angeregt. Sie hat unser Wissen erweitert, uns ganz reizende Menschen kennen lernen lassen.

Noch ein Tipp: Bedienen Sie sich nur an den Speisen auf dem Tisch, die Sie auch wirklich bestellt haben. Ein Cuvertpreis (zwischen € 2,50 und € 3,50 ) muss überall gezahlt werden, die anderen Kleinigkeiten die gereicht werden, gehören nicht dazu und Sie finden sie dann auf der Rechnung wieder. Egal ob Oliven, ein klitzekleiner Käse oder ähnliches. Die ersten zwei Male fanden wir das noch ärgerlich, nachdem wir aber selbst bei den Oliven darauf reinfielen,  haben wir nur noch über uns selbst gelacht.

Empfehlenswert der ADAC Lissabon Stadtführer, kostet 9,95 € und hier stimmt Beschriebenes wirklich.

Marianne Gabel

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